Markus in Rom

Eine protestantische Stimme aus der ewigen Stadt

 
14August
2013

Und wieder daheim

Inzwischen bin ich wieder sehr gut gelandet. Leider kam ich die letzten Monate in Rom nicht mehr zum Bloggen. Deswegen gibt’s hier die Kurzform der letzten Wochen:

 

Vom 3. -9. Juli waren wir Melantonini auf der Abschlussstudienfahrt in Sizilien.

Mit dem Zug ging es nach Neapel und von da mit der Fähre nach Catania.

Der dortige Pfarrer nahm uns sehr herzlich auf. Er ist allein für alle lutherischen Christen in ganz Sizilien verantwortlich. Mit ihm unternahmen wir Ausflüge nach Agrigento und Syracusae und Taormina, welches für sein Amphiteater berühmt ist.  Das berühmte griechische Amphitheater in Taormina. Das Ohr des Dionysios in Syracusae. Blick von Taormina: Hinter mir der Ätna. Auf der anderen Seite liegt Catania.

Die zweite Hälfte der Woche verbrachten wir in Palermo. Die Vorurteile, welche man als Deutscher mit dieser Stadt verbindet (Stichwort: das Spiel Mord in Palermo und auch sonst alles Mafia) stimmen überhaupt nicht. (Oder ich habe jedenfalls nicht viel davon gesehen) Palermo ist wunderschön und die Leute dort sind auch wesentlich aufgeschlossener als in Rom. Wir besichtigten unter anderem die Capella Palatina, eine Kirche, welche ebenso wie viele Kirchen Roms eine sichtbare Geschichte aus mehreren Epochen besitzt. Ursprünglich im byzantinischen Stil (also der Ostkirchen) erbaut besitzt sie auch Elemente die an die arabische Herrschaft im Frühmittelalter erinnern, sowie Elemente im lateinisch-katholischen Stil.

Am 9. Juni kam ich nach einer aufregenden Woche zurück nach Rom.

 

Dort holten mich schließlich Ende des Monats mein Vater und mein Bruder ab.

Die letzten 3 Junitage unternahmen wir aber noch einen Abstecher nach Süden- auf einen Campingplatz Vico Equense nahe Neapel. Von dort aus besichtigten wir Pompei und den Vesuv.

 

Am 1. Juli fuhren wir dann zurück nach Deutschland, wobei wir noch Zwischenstation in Florenz und Bozen machten. Schließlich war ich am Donnerstag, den 4. Juli um 1 Uhr nachts zuhause in Arnsdorf bei meinen Eltern.

24März
2013

Ein paar Eindrücke vom Frühlingsanfang in Rom…

Es ist die Zeit der Orangenreife (übrigens auch der Zitronen)

 

Die Villa Doria Pampylii, der größte Park Roms wird wieder von Menschen bevölkert.

 

Im Teich findet sich die erste Schildkröte.

 

Ansonsten ist das Wasser voll von Kaulquappen.

 

 

In Deutschland soll die neue Jahreszeit ja eher so begonnen haben:

23März
2013

Treffen sich zwei Päpste...

... das, was eigentlich als Witz bekannt ist, wurde gestern Realität.

 

 

Mehr dazu kann man hier nachlesen:

 

http://www.welt.de/politik/ausland/article114709719/Franziskus-sieht-Benedikt-als-seinen-Bruder.html

13März
2013

Der Tag, der die Welt veränderte.

Früher Nachmittag:

 

Ich schaue mir per Livestream den Petersplatz an. Darauf sind bereits tausende Menschen mit ihren Regenschirmen zu sehen, die teilweise Lieder singen. Ab und zu geht der Blick der Kamera zum Schornstein. Ich reagiere mit Unverständnis darauf, dass man so begeistert auf einen Menschen warten kann, der eine Kirche leitet, die er doch kaum grundsätzlich verändern wird.

 

17.45 Uhr.

Ich mache mich auf zur Messe bei den Germanicern. Hier sind wir heute abend eingeladen, weil wir unseren monatlichen Gesprächskreis haben. Das Thema: Maria.

Weil es extrem stark regnet nehme ich einen Schirm mit, welchen ich am Dienstag bei einem Straßenhändler gekauft habe. Ich bin spät dran, werde es aber noch schaffen.

 

18.25 Uhr

 

Ich betrete das Collegium Germanicum et Hungaricum in der Via San Nicola da Tolentino 13. Meine zwei Mitbewohner Andre und Stefan sind schon da, Andere noch nicht. In 5 Minuten beginnt die Messe.

 

18.30 Uhr

 

Die Messe beginnt. Wer von uns noch nicht da war, kam jetzt entweder reingeschneit oder gar nicht mehr. Annalena und Uta sind auf den Petersplatz gegangen.

Die Messe ist schön. Die Lieder geben mir Ruhe und Frieden.

 

19.05 Uhr

 

Die Messe ist zuende. Wir verlassen die Kapelle. Einige schauen auf ihre Handys und versuchen eine Internetverbindung zu bekommen. Noch kein Rauch heißt es- dann: - - - weißer Rauch.

Alles bricht aus. In wenigen Minuten verlassen die Germanicer samt uns das Kolleg. Ich brauche noch ein wenig, weil ich meinen Schirm aus dem Eimer raussuchen muss und zwei ziemlich gleich aussehen. Schließlich schnappe ich mir einen. Auf der Straße draußen treffe ich die Gruppe von Tobias, Lea und Katharina. Wir erreichen die Metro. Die U-Bahnstation ist recht voll. Auch andere Römer scheinen Wind bekommen zu haben. Doch in der Metro ist noch Platz für uns.

 

19.20 Uhr: Metrostation Vaticano. Alles drängt nach draußen. Es wird eng. Meine Gefühle steigen. Oben auch schon einige Menschen. Die Polizei (Guardia di finanzia) sperrt die Zugangsstraße, hinter ihnen kommt eine Kapelle, die Marschmusik spielt. Wir haben jetzt eine freie Straße zum Laufen. Ein tolles Gefühl. Als wir jedoch die Straße Viale delle Milizie kreuzen scheint bis zu den Kolonaden alles voll zu sein. Ich habe Angst, dass wir den Platz nicht erreichen.

 

19.30 Uhr:

 

Wie durch ein Wunder haben wir den Platz erreicht. Wir kommen sogar durch die Zäune vorne durch, welche die Polizisten jetzt öffnen. Wir sind noch relativ früh da, stehen etwa in der Nähe einer Laterne links hinter dem Obelisken.

Es ist super. Der Rote Vorhang hängt da. Wir haben genug Platz und sie achten offenbar darauf, dass nicht zuviele Menschen auf den Platz kommen. Jetzt heißt es warten. Ich bin ein wenig sauer, weil mir das Konklave einen Strich durch das gute Abendbrot bei den Germanicern gemacht hat.

Kurz darauf drängt sich eine Frau mit einem Kameramann hinter uns, die unbedingt filmen möchte und auf italienische Art sehr höflich meint, dass wir doch bitte etwas zur Seite treten sollten.

Die Schweizer Garde marschiert auf. Ich krame mein Handy aus der Tasche und rufe zuhause an. Mutti geht an’s Telefon. Ich frage: „Mutti hast du den Fernseher an?“ „Nein, gibt es schon was?“ „Na , dann mach mal an“, sage ich. „Ich stehe gerade auf dem Petersplatz, hier marschiert die Schweitzer Garde auf.“ Mutti macht den Fernseher an. Wir reden noch ein paar Sekunden, dann lege ich auf, damit es nicht zu teuer wird.

Meine Stimmung steigt mit dem Bewusstsein, dass ich gleich einen historischen Moment erleben werde.

 

20 Uhr.

 

Eigentlich ist jetzt die Dreiviertelstunde vorbei, die uns Monts. Türk vom Einheitsrat genannt hat (die Zeit, die es dauert vom weißen Rauch bis zum Auftreten des Papstes auf der Loggia, damit letzterer sich emotional vorbereiten, sich umziehen kann usw.) , doch noch immer ist kein Papst zu sehen.

20.10 Uhr

 

Immer noch kein Papst. Wir witzeln, dass er vielleicht zur Primetime erscheint.

Kurz darauf geht es los. Das Tuch für die Verkündigung wird ausgerollt-hier noch mit dem Wappen des alten Papstes. 

 

20.20 Uhr.

Der Kammerlengo Jean-Louis Tauran tritt vor.

Annuntio vobis gaudium magnum – Habemus Papam. Ein unverständlicher Name- Verwirrung. Es scheint keiner zu sein, von dem man schon mal gehört hat.

Tobias, ein Kommilitone von mir meint –ein Argentinier. Jedenfalls gibt es  rechts vor uns gesehen begeisterte aber noch zaghafte Fahnenschwenker. Der Papst selbst kommt aber noch nicht.

 

20.25 Uhr.

Francesco-Rufe auf dem Petersplatz.

Er tritt vor. Jose Mario Bergoglio, er nennt sich Francesco.

Cari fratelli e Sorelli – PAUSE – Bouna Sera. Er scheint noch nicht so recht zu wissen, wo es hingeht.

Später der Satz: I cardinali hanno elenctis un uomo da fino del mondo. (Die Kardinäle haben einen Mann vom Ende der Welt ausgewählt.) Die Menge lacht leicht. Der Papst wünscht sich vor dem Segen eine Minute des Gebets für sich.

Er hat sofort meine Sympathie.

Inzwischen haben sich die Kardinäle rechts und links von ihm auf den Seitenfenstern postiert. Es sieht beeindruckend aus. Meine Gefühle sind auf dem Höhepunkt angelangt. Habe ich das jetzt wirklich miterlebt? Der erste Papst aus Argentinien. Ein Konklave und ich stehe auf dem Petersplatz.

 

20.40 Uhr

 

Alles ist vorbei. Die ersten Menschen gehen. Auch Tobias will unbedingt aufbrechen. Meiner Meinung nach könnten wir noch bleiben. Aber nun dann müssen wir eben los. Wir kommen nur im Schneckentempo voran, gehen nein besser werden gedrückt nach links zunächst wieder in Richtung Metrostation Ottaviano. Doch kurz vor der Mauer biegen wir ab –gehen ein Stück an ihr entlang. Im Tor können wir endlich wieder freier laufen, weil ein Teil der Menschen jetzt geradeaus geht. Im Allgemeinen scheinen die Italiener trotz des Gedränges aber gelassen zu sein.

Meine Schuhe sind völlig durchnässt aber das ist jetzt egal. Wir essen etwas in einer Seitenstraße, in der auch Kleriker wohl manchmal ausgehen.

Schließlich fuhr ich mit Lea, einer Mitbewohnerin von mir nach hause.

22.30 Uhr Ich bin daheim. Es war einer der besten Abende meines Lebens gewesen.

12März
2013

Ein paar Eindrücke vom Beginn des Konklaves.

Heute war ich um kurz nach 10 auf dem Petersplatz, wo der Gottesdienst der Kardinäle zur Eröffnung des Konklaves nach draußen übertragen wurde. Dort habe ich folgende Bilder und einen kleinen Film gemacht.

  Der Gottesdienst wurde nach draußen übertragen, wie man sehen kann.

Petersdom von vorn.  

Der rote Vorhang für den Auftretenden Pontifex ist schon ausgehängt.

 

Eingang zur Via del Conciliazione vom Petersplatz aus gesehen. Auch dort eine Riesenbühne für die Journalisten.

Auch auf dem Dach meiner Hochschule, die sich gleich neben den Kolonaden befindet haben sich mittlerweile Kameraleute postiert.

Filmstationen auf den Dächern rund um die Kolonaden. Das Dach meiner Hochschule Augustinianum ist auf der linken Seite.

 

Es ist schon ein tolles Gefühl gleich neben dem Petersplatz zu studieren. Über dem Eingangstor ist die Überschrift zum Augustinianum zu sehen: Institutum Patristicum.

Jetzt geht es also los. Heute war der erste Wahlgang mit schwarzem Rauch, dann folgen wohl ab morgen jeweils 4 bis der neue Papst gewählt ist.

01März
2013

Zwei Wahlen, das Chaos und ein Abschied.

Letzten Sonntag und Montag wurde ja in Italien gewählt. Wie es nun mal offensichtlich ist, gibt es keine eindeutige Mehrheit. In Italien ist es die Regel, dass viele kleine Parteien sich zu Listen zusammenschließen, um bessere Chancen zu haben. 4 davon spielen eine Rolle: das Linksbündnis Italia Bene Comune von Luigi Bersani, desjenigen mit den meisten Stimmen, die Mitte-Rechtskoalition von Silvio Berlusconi, das Movimento 5 Stelle eines Komikers namens Beppe Grillo, und ein Bündnis des bisherigen Ministerpräsidenten Mario Monti. Ein Wahlkandidat der Linken  Schon vor Weihnachten wurde mit Parolen gegen Merkel Stimmung gemacht. Leider nur undeutlich zu erkennen: Merkel mit Monti und darunter die Werbung einer Mitte-rechts-Partei:

Allen Skandalen zum Trotz immer wieder lächelnd zu sehen: Silvio Berlusconi.Im Abgeordnetenhaus hat der Sozialdemokrat Bersani mit nur knapp 30% der Stimmen eine knappe Mehrheit vor Silvio Berlusconi und bekommt damit automatisch 55% der Sitze, hat also eine komfortable Mehrheit.

Doch es gibt noch den gleichberechtigten Senat, wo Bersani zwar ebenfalls die relative Mehrheit hat, aber das Berlusconibündnis und das Grillobündnis fast gleichstark sind. Diese beiden könnten damit jede seiner Entscheidungen blockieren.

Der politisch vernünftigste Kandidat Mario Monti hat leider nur 10 Prozent erhalten.

Die Kommentare, welche Italien für unregierbar halten, sind vollkommen richtig. Luigio Goia von den Benediktinern gehört zu den italienern, die den Glauben an die Politik verloren haben. Nachdem er sich aufgeregt hatte, sagte er am Dienstag nur noch: „Aber ich bin Mönch und Theologiedozent an San Anselmo, mich tangiert die Wahl nur nebensächlich.“

Das ist auch typisch für Italien, das man Politik nicht so ernst nimmt und überhaupt allem mit einer großen Gelassenheit gegenübertritt. Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass Italien nicht regierungsfähig ist und Politiker unfähig. Seit dem 2. Weltkrieg hat das Land nur ein Ministerpräsident länger als 2 Jahre am Stück regiert und das war ausgerechnet von 2001 bis 2005 Berlusconi.

Das Land ist trotzdem bis heute nicht untergegangen. Es geht immer irgendwie weiter. Man weis halt blos nicht wohin, zur Not fährt man eben nach FJVNJDJNP B., wie sich auch besonders an der Abfahrtstafel für die Züge an Termini zeigt.

 

Den Beginn eines anderen wichtigen Regierungswechsels habe ich gestern miterlebt. Am Mittwoch habe ich auf dem Petersplatz noch bei der letzten Generalaudienz den Abschied von Benedikt XVI. erlebt, bei der auch eine deutsche Blaskapelle aufspielte. Für meine Begriffe waren erstaunlich wenig Deutsche anwesend, zumindest haben diese sich bei der Nennung der Deutschen Diozösen nicht hörbar gezeigt, ganz im Unterschied zu den Spaniern, Arabern und Polen beispielsweise. Den weltkirchlichen Aspekt fand ich dabei faszinierend. Ansonsten finde ich den Papstkult manchmal befremdlich und bin damit nicht allein. Selbst die Germanicer und konservative Theologen beim Einheitsrat ist der Papstkult zuviel. Für katholische Theologen wird die Person an sich nicht so wichtig genommen (von Ratzinger übrigens auch nicht). Viel wichtiger ist für sie eben, dass der Papst als Vorsitzender und Inhaber des Lehramtes die katholische Lehre normativ festschreiben kann. Wenigstens ein paar deutsche Fahnen waren zu sehen. Den Polen daneben fiel der Nationalstolz wesentlich leichter, was auch am Jubel zu hören war, als ihre Diözesen aufgerufen wurden. Ich war natürlich auch da. Bei der letzten Audienz hat auch eine bayrische Blaskapelle aufgespielt -hier auf dem Rückweg.

Gestern um 5 wurde der Papst dann mit dem Helikopter abgeholt. Ich konnte mit einigen Freunden das Schauspiel vom Kapitolshügel beobachten, wo wir zu dieser Zeit gerade die kapitolinischen Museen besuchten, welche praktisch das wichtigste Museum der römischen Antike sind.

Wer scharfe Augen hat, kann hier den Hubschrauber über dem Petersdom kreisen sehen, der den Papst abholt. Allerdings gelingt das wohl nur Adlern.

Der heilige Vater wurde dann nach Castelgandolfo geflogen, wo er erst einmal Urlaub machen möchte, bevor er sich dann zum Ruhestand in ein Kloster innerhalb des Vatikans zurückzieht. Gestern um 20 Uhr endete mit der Zerstörung des Päpstlichen Siegelringes sein Pontifikat.

17Februar
2013

Ökumene wohin?

Nach einem Semester römisch-katholischer Theologie ziehe ich eine Zwischenbilanz, was ich bisher gelernt habe. In Erinnerung ist mir vor allem eine Szene aus dem Seminar Ökumene im Gespräch, welche ich im Januar erlebt habe.

Es ging um die Lehre der Eucharistie/ des Abendmahls. Während die verschiedenen Verständnisse vorgestellt und gegenübergestellt wurden, merkte ich einerseits, dass ich die Lehre von der Transsubstantiation (ganz grob gesprochen der Verwandlung der Hostie in den wahren Leib und des Weins in das wahre Blut Christi) durchaus ansprechend finde. Der Dozent gab zu, dass es sich dabei um ein Geheimnis handelt, was nach katholischer Lehre nicht ganz zu verstehen ist und dass die Transsubstantiationslehre nur der Versuch sei, etwas eigentlich unerklärbares zu erklären. Damit fühlte ich mich wohl. Auch nach lutherischem Verständnis geschieht beim Abendmahl etwas Geheimnisvolles und auch Luther soll mal davon gesprochen haben, dass wir Christus kauen müssten.

Kurz darauf wurde ich allerdings ernüchtert, als derselbe Dozent deutlich machte, dass es nach katholischer Lehre für Katholiken eigentlich Sünde sei, zum evangelischen Abendmahl zu gehen. Er begründete das damit, dass Protestantische Pfarrer die Wandlung nicht vollziehen könnten, da sie ja wegen der fehlenden apostolischen Sukzession nicht gültig geweiht seien. Gleichzeitig gab er zu, dass beim Protestantischen Abendmahl ja mehr als Nichts geschehen würde und dass es besser sei, bevor die Unklarheiten nicht endgültig geklärt seien, nicht gegenseitig am Abendmahl teilzunehmen. Alles, was er sagte entspricht offiziellem katholischen Kirchenrecht, dass im Übrigen auch den Empfang der Eucharistie für evangelische Gläubige nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen (z.B. Todesgefahr) erlaubt.

Die katholische Lehre legt einen so großen Schwerpunkt auf die Kirche, dass man eben konfessionelle Verschiedenheit bis heute nicht einfach akzeptieren kann, wie beispielsweise die Lutherischen und die Reformierten Kirchen, die trotz unterschiedlicher Verständnisse seit der Leuenberger Konkordie gemeinsam Abendmahl feiern können.

Nach katholischem Verständnis darf es eigentlich nur eine Kirche geben, denn (und darin berufen sie sich zu Recht auf die Bibel !) Christus hat gewollt, dass seine Jünger alle eins seien (Joh. 17,21).

Seit dem 2. Vatikanischen Konzil haben sich die Katholische Kirche und Lehre selbst relativiert, dass sie im Dekret über den Ökumenismus anerkannt haben, dass Christen auch in den Kirchen und Gemeinschaften außerhalb der Katholischen Kirche durch eben diese anderen Kirchen und Gemeinschaften das Heil erlangen, während davor der Standpunkt nur war, dass alle Nichtkatholischen Christen Ketzer seien, die sich ihres Heils nicht sicher sein könnten. Unsere Taufe ist seitdem ebenso anerkannt.

Nun versucht die katholische Kirche seitdem durch Dialog und Innere Reform diese Eine Kirche wiederzuschaffen, doch bleibt auf dem Standpunkt, dass z.B. apostolische Sukzession durch einen geweihten Bischof und Papstamt für diese Eine Kirche unverzichtbar seien. Und darin liegt das Problem, weshalb wir offiziell nach katholischer Lehre nicht gemeinsam Abendmahl feiern können. Wir haben dieses Weiheamt nicht, sondern für Lutheraner ist die Kirche ausreichend geschaffen, wenn in ihr die wahren Sakramente (Taufe und Abendmahl) gereicht und das Evangelium rein verkündet wird (Confessio Augustana Artikel 7).

Evangelische Pfarrer sind nach katholischer Lehre dann nur „Pfarrer zweiter Klasse“ (darf man das so sagen?). Dies wurde hier eben auch in Rom deutlich, als ich Ende Januar bei einer ökumenischen Vesper in St. Paul vor den Mauern war. Während orthodoxe Priester mit vor den Altar treten konnten, durften Protestanten nur Lesungen halten. Der Papst  saß in der Mitte der Gemeinde zugewandt auf einem erhöhten Stuhl und Predigte, Protestantische Amtsträger zu seiner Rechten, Orthodoxe und Katholische zur Linken.

Hinter dem Kameramann: Papst Benedikt XVI. in der Ökumenischen Vesper in St. Paul fuori le mura anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen 25.Januar 2013

Ich würde mir eine Einheit der Kirchen wünschen, allerdings eine, in der die Unterschiede zulässig bleiben. Wäre nicht eine Abendmahlsgemeinschaft leichter, um voneinander zu lernen? Dann könnte man auch gegenseitig in Gottesdienste gehen und sich wirklich besser kennenlernen. Momentan ist es noch nicht einmal für konfessionsverschiedene Ehepaare gestattet, dass sie gemeinsam am Abendmahl teilnehmen dürfen.

Trotz aller ökumenischen Unvollkommenheiten, bewegt mich eine Frage, bei der wir Protestanten von der katholischen Kirche viel lernen können und das ist die Frage, was denn die Kirche ist? Eine Frage, die sich vor mir schon andere protestantische Romreisende, wie z.B. Bonhoeffer gestellt haben. Praktizierende Katholiken legen mit großer Ehrfurcht sehr viel Wert darauf, dass Glaube und Kirche zusammengehören, während es für Protestanten nur um den Individuellen Aspekt dabei geht- ein Verständnis, dass Bonhoeffer und da hat er nicht ganz unrecht selbst einmal abschätzig Freidenkertum genannt hat. (Vgl. Brief von Bonhoeffer an seine Eltern am 19. April 1924 und Tagebucheintrag vom 28.Mai 1924 in: Ferrario, Fulvio:Dietrich Bonhoeffer Italienreise 1924. München 2012. S.61 und 113f.)

Beiden Konfessionen bekäme eine Einigung wohl wirklich, obwohl ich sie momentan leider für ausgeschlossen halte.

11Februar
2013

"Und nu...?"

...fragt der Sachse anlässlich des Papstrücktrittes.

 

Vielleicht hat Benedikt ja einfach mal Lust hier zu lesen.

 

 

 

Die Rücktrittsrede gibt es übrigens im Internet unter:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/dokumentation-meine-kraefte-reichen-nicht-mehr-aus/7765310.html

 

Und ich werde euch in den nächsten Wochen noch über das Enklave informieren. Es bleibt spannend. So etwas soll es zuletzt 1294 gegeben haben.

22Januar
2013

Auf den Spuren Konstantins

Am vergangenen Wochenende hatten wir ein Seminar über Konstantin. Dazu war Martin Wallraff, Professor für Kirchengeschichte in Basel und Mitglied der Leitung des Melanchthonzentrums eingeladen worden. Er kennt sich sehr gut in Rom aus und kommt öfter in die Stadt, da er auch mit einer Italienerin verheiratet ist und seine Familie ganz in der Nähe wohnt. Momentan schreibt er an einem Buch über Konstantin und ist deswegen gerade sehr dicht an diesem Thema dran.

Zunächst trafen wir uns am Freitag in der Nähe der St. Agneskirche im Norden Roms. Es herrschte zum ersten Mal seit Tagen mal wieder strahlender Sonnenschein (die andertalb Wochen davor hatte es in Rom soviel geregnet, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe). In der Zeit der Spätantike befand sich dieser Komplex außerhalb der Stadtmauern. Unter anderem befindet sich dort die Kirche St. Agnes, welche nach der Märtyrerin Agnes benannt worden ist, die im 3. Jahrhundert dort begraben wurde.

Ganz in der Nähe war unter Konstantin eine riesige Basilika angelegt worden, die wahrscheinlich nicht als Kirche gedacht war, um beispielsweise der heiligen Agnes zu gedenken, sondern als Friedhofshalle. Das Gebäude liegt an einem Hang, weshalb die Römer des 4. Jahrhunderts extra viel Erde aufgeschüttet haben. Auf folgendem Foto kann man die Höhe ungefähr erahnen.  Rückseite der Basilika hinter dem Zaun Auf dem Berg oben sieht es dann so aus.

 

 

Am Samstagmorgen gab es dann einen Theorieteil. Wenn man Konstantin kennt, dann meistens als ersten Christlichen Kaiser, welcher ein Kreuz am Himmel gesehen habe mit der Stimme „In diesem Zeichen wirst du siegen“. Daraufhin habe er sich bekehrt, die ersten beiden griechischen Buchstaben für Christus (Chi und Rho) auf die Schilde gemalt und damit seinen Wiedersacher Maxentius – einen Gegner der Christen besiegt. An dieser weit verbreiteten Lesart stellte uns Professor Wallraff nun begründete Zweifel vor. Die älteste Quelle von einem Historiker Laktanz schweigt dazu nämlich. Sie spricht blos von einem Wagerechtdrehen des X (Rho) und einer daran angefügten Rundung.

Am Nachmittag fuhren wir in die Villa des Maxentius. Diese liegt direkt an der Via Appia, die in der Antike wichtigste Handelsstraße Roms. Der Herausforderer Konstantins, der von der Armee mit den seltsamen Schilden an der Milvischen Brücke vor den Toren Roms besiegt wurde hatte dort neben geräumigen Wohnehäusern auch eine Wagenrennbahn. Schräg gegenüber der Villa auf der anderen Straßenseite befindet sich eine Kirche, die auch wiederum an einen Märtyrer erinnert, den heiligen Sebastian. Wallraff hält es für wahrscheinlich, dass diese nicht von Konstantin gebaut wurde, wie es die spätere christliche Überlieferung sagt, sondern von Maxentius. Denn Baustil und Materialien stimmen mit denjenigen in der Maxentiusvilla überein. Unterhalb der Kirche befinden sich die Sebastianskatakomben, welche wir auch besichtigten, wo ich aber unten keine Fotos machen durfte.

Am Sonntag lasen wir die Texte des sogenannten Toleranzediktes von 313. Dies gilt ja allgemeinhin als „konstantinische Wende“, da das Christentum vormals eine verfolgte Minderheitsreligion nun offiziell den anderen gleichgestellt wurde und von da an begann sich mehr und mehr durchzusetzen, bis es schließlich 380 zur Staatsreligion erklärt wurde.

Ob Konstantin selbst Christ war, ist zweifelhaft, denn auf den von ihm geprägten Münzen ließ er sich in der Regel mit dem Sonnengott Sol darstellen. Auch meint Wallraff, dass er sich mit seiner Taufe kurz vor seinem Tod als Christus selbst verstanden haben könnte. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass er sich in seinem Mausoleum in Konstantinopel mit den 12 Aposteln um seinen Sarg begraben ließ, sehr zum Ärger der christlichen Bischöfe, die den Sarkophag einige Jahre später unter der Begründung, das Gebäude sei baufällig geworden entfernen ließen?

Wie auch immer es gewesen ist, die ganze Wahrheit werden wir wohl nie erfahren. Zu gering ist der Bestand an verlässlichen Quellen, um sich ein eindeutiges Urteil zu bilden. Der Circus in der Villa des Maxentius Die Via Appia von Rom kommend... ...und aus der Stadt raus. Von hier aus geht es nach Brindisi und von da aus mit dem Schiff weiter nach Albanien, wo sich die Straße in Richtung Griechenland fortsetzt. Professor Wallraff in seinem Element Modell einer Basilika in konstantinischer Zeit

12Dezember
2012

Mein Stundenplan und Wochenablauf

In Rom bin ich natürlich auch zum Studieren. Das Semester begann hier ähnlich wie in Deutschland auch in der zweiten Oktoberwoche. Ich habe insgesamt 5 Kurse, 4 bei den Katholiken und einen zweistündigen bei den Waldensern.

Montags geht relativ früh los. Da habe ich bereits 10.30 Uhr an der Gregoriana. Die Gregoriana ist die berühmteste katholische Hochschule in Rom und das zeigt man gerne auch. Sie wurde 1551 von Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens eingerichtet. Neben Theologie und Kirchenrecht kann man hier auch Psychologie und Sozialwissenschaft studieren. Um dort hinzukommen fahre ich wie fast überall eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin. Allerdings führt mich mein Weg eben auch jeden Montagmorgen am Trevibrunnen vorbei.

Meine erste Vorlesung heißt: L` ispirazione biblice e le sue consequenze. (Die Biblische Inspiration und ihre Konsequenzen. Sie beschäftigt sich wie der Name schon sagt mit der Entwicklung von katholischem Bibelverständnis und der Inspirationslehre von den Selbstaussagen des Neuen Testamentes bis zum 2. Vatikanum und den neueren päpstlichen Erklärungen unter Benedikt XVI.

Anschließend habe ich 5 Stunden frei, wo ich meistens nach hause fahre. 17.15 Uhr beginnt dann mein 2. Kurs ein Seminar mit dem Titel: Su quale uomo scende lo spirito ? Antropologia e spiritualità. Auf Deutsch: Wie bekommt der Mensch den Geist. Anthropologie und Spiritualität. Das Seminar findet an San Anselmo statt. San Anselmo ist eine Benediktinerabtei auf dem Aventin. Das bedeutet, dort leben Benediktinermönche.  Dort angeschlossen ist ein Ateneo (eine kleine Hochschule), die sich hauptsächlich mit Philosophie, Theologiegeschichte, Liturgik und unschwer zu vermuten der Monastik, also dem Mönchtum beschäftigt. Der Eingang von San Anselmo. Die Tür im Hintergrund führt direkt in die Klosterkirche.

Der Leiter meines Seminars heißt, Lugio Gioia (Gioia bedeutet Freude). Er trägt selber eine weiße Kutte. Ansonsten besteht das Seminar fast ausschließlich aus Religiousen (Mönchen und Nonnen). Neben mir studiert nur noch eine Frau als Laiin (Nichtnonne) dieses Seminar. Mit meinem Nachbar Simeon habe ich mich schon angefreundet. Er kommt ursprünglich aus Kanada, ist jetzt schon mehrere Jahre in Italien und spricht auch ein wenig Deutsch. Man merkt im Seminar einen besonderen Geist der Teilnehmer. Bei vielen spürt man eine innere Ruhe und ja Offenheit für Menschen, die ich sonst in Rom (auch an den anderen Hochschulen) selten erlebe. Auch mit L. Gioia konnte ich vor 3 Wochen mein erstes Theologisches Gespräch führen. Er hat die ganzen großen Protestanten Schleiermacher, Barth und Bonhoeffer auch gelesen und fragte mich nach meiner Meinung dazu.

Dienstags habe ich ebenso wie Freitags eine Vorlesung bei den Valdensern in Dogmatik. Der Professor Ferrario spricht über“ Jesus und der Geist.“ Konkret geht es dabei um das Verhältnis von Anthropologie und Pneumatologie. Ferrario. Auch wenn hauptsächlich Deutsche zitiert werden, spricht er doch auch manchmal über amerikanische Theologen und ganz selten auch über Italiener, sodass für mich manchmal noch etwas neues dabei ist.

Die Valdenserfakultät liegt wie bereits erwähnt in der Nähe vom Piazza Cavour, genauer gesagt in einer Seitenstraße.

Sie besteht im Prinzip nur aus 2 Unterrichtsräumen. Außer uns hat sie gerade einmal etwa 20 Studenten. Dafür ist die Bibliothek ziemlich gut und kann sich durchaus mit den größeren an den katholischen Instituten und Hochschulen messen lassen. Direkt über der Fakultät befindet sich der Konvikt der Waldenserkirche. Dies ist ein Wohnheim, indem zwar überwiegend (etwa 2/3 aber nicht ausschließlich Theologiestudenten wohnen. Von uns wohnen dort zurzeit 4 Leute. Der Konvikt hat auch eine Terasse auf der man gut sitzen kann und einen Innenhof. Von dort aus sieht man auch die Rückseite der Waldenserkirche, welche hier im Baustellenzustand von vorne zu sehen ist:

Mittwochs ist mein freier Tag, ich nutze diesen zum Einkaufen, Hausaufgaben machen und um froh zu sein, dass ich einmal nicht die Fakultät verlassen muss.

Donnerstags habe ich dann mein zweites Seminar an der Gregoriana. Es ist auf Deutsch gehalten und heißt „Ökumene im Gespräch. Erarbeitung ökumenischer Konsenstexte.“ Wir sind nur neuen Studenten darin. Außer 5 Melantonini und einem Protestanten aus Dresden, der über das katholische Freisemesterprogramm nach Rom gekommen ist, sind noch drei Katholikan dabei. Der Dozent ist ein Unikat. Er heißt Montsignore Matthias Türk und ist beim päpstlichen Rat für die Einheit der Christen angestellt. Dieser ist praktisch das Ökumenereferat der katholischen Kirche. Türk ist darin speziell für das Luthertum zuständig. Zumindest ist er auch für viele Sachen im Dialog mit der VELKD (der vereinigten evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland) verantwortlich. Er bringt das Seminar mit seiner witzigen Art immer wieder zum Lachen. Dagegen ist das Thema Ökumene gar nicht so einfach. Bei Lesen der verschiedenen Texte (Unitatis Redintegratio aus dem 2. Vatikanischen Konzil, Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre usw.) hat man manchmal das Gefühl, die katholische Kirche versteht unter Ökumene noch immer, dass die Protestanten in den Schoß der einzig wahren Kirche zurückkehren.

Trotzdem gehe ich schon alleine wegen der Kommilitonen und dem Dozenten immer wieder gerne zu diesem Seminar.

Freitag folgt dann der zweite Teil der Vorlesung über Dogmatik bei den Valdensern.

Samstag habe ich schließlich einen der interessantesten Kurse in Rom: Er heißt „Corso di iniziazione alle anticità cristiane.“ (Kurs über die Anfänge des antiken Christentums).  Er findet in den Räumen eines eigens gegründeten päpstlichen archäologischen Institutes statt. Es wurde mit 1925 recht spät gegründet, damit der Vatikan auch in Rom eigene archäologische Forschung betreiben kann.

Bei der Einschreibung bekamen wir einen Studienausweis –die sogenannte Tessera, die man hier an jeder Universität bekommt (ich habe mit San Anselmo und der Gregoriana bereits 3) dazu 8 Eintrittskarten für Katakomben, in welche nicht jeder Tourist reinkommt. Mit meiner Tessera soll ich auch gratis auf die Römischen Foren und in das Kolosseum kommen, was ich allerdings noch nicht probiert habe.

Im Kurs selber sind mehrere Führungen enthalten, schon allein das hat ihn mir als jemand, der Geschichte aus Leidenschaft betreibt interessant gemacht. Dafür nehme ich auch den frühen Beginn am Samstagmorgen in Kauf. Es geht 9.30 los, was bei römischen Verkehrsverhältnissen bedeutet, 8.30 losfahren und wiederum noch entsprechend eher aufstehen, damit ich in Ruhe frühstücken kann.

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